Bau der transalpinen Pipeline

Die Geschichte der Transalpine Pipeline beginnt in der zweiten Hälfte der 1950er Jahre. Der Wirtschaftsaufschwung und der daraus resultierende Energiebedarf machten den Bau neuer Raffinerien erforderlich, insbesondere an Standorten, die für den mitteleuropäischen Wirtschaftsraum von strategischer Bedeutung waren.

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Um den wachsenden Energiebedarf in Süddeutschland zu decken und zur Stärkung der bayerischen Wirtschaft, förderte der damalige bayerische Staatsminister für Wirtschaft und Verkehr Otto Schedl den Bau neuer Raffinerien bei Ingolstadt. Die Versorgung der Raffinerien sollte über eine Erdölfernleitung gesichert werden, denn Pipelines galten als sicheres und bequemes Transportmittel.

Das Projekt wurde vom damaligen Präsidenten des italienischen Energiekonzerns ENI, Enrico Mattei, unterstützt. Er beschloss eine Raffinerie in Bayern zu bauen und diese über eine von Genua nach Ingolstadt verlaufende Pipeline – die sogenannte CEL (Central European Pipeline) - mit Italien zu verbinden. Damit sollte die Vorherrschaft der Großen untergraben werden.

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Der Bau dieser Fernleitung begann 1961, doch der Bauforschritt verzögerte sich immer wieder aufgrund hoher Kosten, einer Abfolge von Unstimmigkeiten und diversen Umweltproblemen. Die CEL wurde erst 1966 fertig gestellt, gerade noch rechtzeitig mit der Eröffnung der Raffinerien bei Ingolstadt und Karlsruhe, die schon auf die Lieferung von Rohöl warteten.

In dieser Zeit wurden weitere Pipelines in Betrieb genommen um Bayerns Energieknappheit zu überwinden: Die SEPL (South European Pipeline) von Marseille nach Karlsruhe nahm ihren Betrieb 1962 auf; 1963 folgte die RDO (Rhein-Donau Oelleitung) von Karlsruhe nach Ingolstadt und Neustadt.

Im März 1963 griff eine Gruppe führender Ölkonzerne, darunter ENI, BP, ESSO und SHELL, die Idee des venezianischen Finanzmanagers Marco Barnabò auf, eine Pipeline von der Adria nach Bayern zu bauen. Man beauftragte die amerikanische Bechtel Corporation damit, die Realisierbarkeit des Projekts festzustellen und hatte bereits nach vier Monaten die erforderlichen Ergebnisse in der Hand.

Am 21.November 1963 kam das TAL-Konsortium zum ersten Mal zusammen, um den Bau der Transalpine Pipeline in die Wege zu leiten. Ziel war es, neben den Anlagen in Marseille und Genua eine dritte Nachschubquelle für Süddeutschland zu erschließen und dabei eine ununterbrochene Energieversorgung zu gewährleisten und die Anfahrtswege der Tanker aus Afrika oder Arabien zu verkürzen.

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Zwischen 1964 und 1965 wurden die drei Ländergesellschaften des TAL-Konzerns (Deutsche Transalpine Oelleitung in München, Società Italiana per l’Oleodotto Transalpino in Triest und Transalpine Ölleitung in Österreich in Innsbruck) für den Pipelinebetrieb gegründet.

Als Ausgangspunkt für die Pipeline hatte man sich für den Hafen von Triest entschieden. Ausschlaggebend hierfür waren die strategisch günstige Lage des Hafens im Hinblick auf das Zielabsatzgebiet sowie die Tiefe des Meeresbodens – ein grundlegendes Kriterium, nicht nur weil Öltanker zu den Schiffen mit der größten Wasserverdrängung zählen, sondern weil damals Tanker mit zunehmend größeren Wasserverdrängungseinheiten vom Stapel liefen.

Durch den Bau des Hafenterminals und den Ausbau der Verkehrsanbindungen zum Hafen verzeichnete die Entwicklung des Hafens von Triest einen ungemeinen Aufschwung, aus dem auch die Konjunktur der Stadt Triest langfristigen Nutzen ziehen konnte.

Der Bau der Pipeline begann am 9. Dezember 1964, fertig gestellt wurde sie im Juni 1967.

Die Gesamtkosten zur Realisierung des Baus beliefen sich auf US-$ 192 Mio. 25% hiervon wurden von den gleichen Gesellschaftern getragen. Das Bauprojekt galt als eine der größten Investitionen durch private Geldgeber in der damaligen Zeit.

Am 13. April 1967 legte der erste Tanker, die Daphnella, im Hafen von Triest an. Im Oktober desselben Jahres nahm die erste Charge Rohöl ihren Weg durch die Pipeline zur Raffinerie im bayerischen Ingolstadt.

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1967 wurde die Durchlaufrichtung der RDO-Pipeline geändert. Nun floss Rohöl von Ingolstadt nach Karlsruhe.

1970 wurde die Adria Wien-Pipeline (AWP) an das TAL-System angeschlossen und somit die Versorgung der Raffinerie in Schwechat bei Wien aufgenommen.

1972 erwarb der TAL-Konzern die Rhein Donau Oelleitung (RDO), um die Raffinerien in Karlsruhe und Neustadt zu beliefern. Das TAL-System wurde somit durch zwei weitere Zweigabschnitte erweitert: TAL-OR und TAL-NE.

1995 wurde das TAL-System an die MERO-Pipeline angeschlossen, um so die Energievorsorgung nach Tschechien zu sichern.

1997, nach der Stilllegung der Central European Pipeline (CEL) und deren anschließende Umrüstung als Gaspipeline, übernahm der TAL-Konzern die einstige CEL-Rohöl-Versorgung mit.

Der Voraussicht und Entschlossenheit der visionären Gründer der Pipeline sowie den Fähigkeiten der Ingenieure und Bauherren, die das Projekt in nur 1.000 Tagen fertig stellten, haben wir es zu verdanken, dass wir heute noch nach 45 Jahren von diesem außerordentlich umweltfreundlichen und noch immer bahnbrechenden Stück Ingenieurskunst profitieren können.